Wann Virtual Reality in der Therapiepraxis tatsächlich wirksam ist: Interview mit Professor Pauli

In der Forschung zum Einsatz von Virtual Reality in der Psychotherapie ist Professor Paul Pauli einer der Pioniere. Im persönlichen Interview sprechen wir darüber, welche Vorteile die VR-Brille für Psychotherapeut:innen im Praxisalltag bringt und wann Virtual Reality tatsächlich wirksam ist.

In dem tiefen und sonoren Bariton, der durch das Telefon klingt, schwingt ein schwäbischer Dialekt mit – und tatsächlich, Professor Paul Pauli ist ein Landsmann und stammt aus Biberach. Wir haben uns zum Telefoninterview verabredet, um uns über seine Forschung zum Einsatz von Virtual Reality in der Psychotherapie auszutauschen.

Ein Pionier in der Forschung zu Virtual Reality in der Psychotherapie

Professor Pauli ist einer der Pioniere in der Erforschung des Einsatzes von Virtual Reality in der Psychotherapie: Bereits seit Mitte der 90er-Jahre beschäftigt er sich mit dem Thema Virtual Reality, damals in Kooperation mit dem Fraunhofer Institut in Düsseldorf. Erste Studien führte er damals zur Behandlung von Flugangst mit VR durch, gemeinsam mit seinem damaligen Doktoranden Andreas Mühlberger (heute selbst Lehrstuhlinhaber in Regensburg). Seit 2001 lehrt und forscht Pauli als Professor für Biologische Psychologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Würzburg, am 1. April 2021 trat er sein neues Amt als Präsident der Julius-Maximilians-Universität Würzburg an. Pauli ist selbst approbierter Psychologischer Psychotherapeut und leitete auch die Hochschulambulanz an der Universität Würzburg. Als Ausbildungsambulanz ermöglicht sie es angehenden Psychologischen Psychotherapeuten, unter Supervision Patienten zu behandeln. Die Ergebnisse von Therapien, die in der Forschungsambulanz durchgeführt werden, fließen außerdem in die Forschung des Lehrstuhls ein.


Patienten überwinden sich nach den Erkenntnissen von Professor Pauli eher zur Konfrontationstherapie, wenn sie mit einer virtuellen Spinne konfrontiert werden
eine Vogelspinne - je nach Betrachter faszinierend oder Angst einflößend

In Virtual Reality überwinden sich Patienten leichter zur Konfrontation

Ich frage Pauli, welche Vorteile Virtual Reality für die psychotherapeutische Praxis hat. „Angstpatienten fällt es generell leichter, sich in VR auf Exposition einzulassen als in der Realität“, berichtet Pauli. „Ein Patient überwindet sich eher, wenn er mit einer virtuellen Spinne konfrontiert wird als mit einer echten.“ Neben der geringeren Hemmschwelle nennt Pauli nennt weitere Vorteile, Virtual Reality für Expositionen einzusetzen: Die Behandlung findet unter kontrollierten und sicheren Bedingungen in der Praxis statt. Sie lässt sich genau planen, beliebig oft wiederholen und graduell steigern.


Die Simulation muss die angstauslösenden Reize wiedergeben

Auch wenn die virtuelle Umgebung nur aus beleuchteten Bildpunkten besteht: Virtual Reality löst erstaunlich leicht echte Angst aus. Entscheidend für den Therapieerfolg ist laut Professor Pauli, dass die entscheidenden und charakteristischen Merkmale des angstauslösenden Reizes in der virtuellen Simulation wiedergegeben werden. Entsprechende Trigger lösen dann tatsächliche Angst aus, auch wenn dem Patienten rational klar ist, dass das was er sieht nur in der Virtual Reality-Brille existiert. Am Beispiel der Spinne erklärt Pauli: „Eine Spinne muss sich erratisch und spinnenartig bewegen, sie darf nicht roboterartig wirken". Für Exposition bei Höhenangst wiederum sei ein realistischer Eindruck von Tiefe wichtig. Und diesen Eindruck kann eine virtuelle Umgebung auch auf Knopfdruck herstellen.

Nicht ganz so entscheidend ist laut Pauli, dass die virtuelle Realität „schön“ und komplett realitätsgetreu wirkt – obwohl er betont, dass das Erlebnis dadurch natürlich noch beeindruckender ist. Virtual Reality, so betont er, funktioniert in der Verhaltenstherapie besonders gut bei visuellen Triggern. Angstauslösende Trigger oder „Cues“, wie Pauli sie nennt, können neben visuellen Reizen auch Geräusche und Gerüche sein. Mit zusätzlichen Reizen lassen sich virtuelle Simulationen noch realistischer gestalten. In der Hochschulambulanz der Universität Würzburg bieten Pauli und sein Team zum Beispiel eine spezielle Therapie gegen Flugangst an: hier kommt ein hydraulischer Stuhl mit einem Head-Mounted-Display zum Einsatz, der durch Rütteln und Schräglagen Turbulenzen und den Aufstieg des Flugzeugs simuliert.


Virtuelle Begegnungen erzeugen Vermeidungsverhalten

Auch soziale Phobien lassen sich in Virtual Reality wirksam behandeln. Wie Pauli in einer eigenen Studie herausgefunden hat, rufen Begegnungen in Virtual Reality Vermeidungsverhalten hervor - je nachdem, ob die virtuelle "Person" feindlich, ärgerlich oder freundlich schaut (Lange & Pauli, 2019). Diese Wirkung lässt sich auch in der Therapiestunde nutzen. Anstatt von Rollenspielen oder gruppentherapeutischen Setting kann auch ein VR-Video mit einem durchdringend blickenden Passanten oder einem Prüfer mit hochgezogener Augenbraue wirksame Impulse geben. Um "echte" Gespräche mit mehreren Frage-Antwort-Schleifen zu simulieren sind sehr komplexe und aufwändig programmierte Virtual Reality-Anwendungen notwendig - die auch entsprechende Budgets verschlingen würden.


Zum Weiterschauen: ein ZDF Info-Beitrag zum Thema Angsttherapie mit Virtual Reality (mit Professor Paul Pauli ab Minute 3:45)


Abschließend frage ich Prof. Pauli, was aus seiner Sicht geschehen muss, um Virtual Reality als Therapiemittel nicht nur in der Forschung und im klinischen Umfeld, sondern auch in psychotherapeutischen Praxen einzusetzen. „Solche Anwendungen müssen ganz einfach handhabbar sein, individuelle Einstellungen und einen klaren Benefit bieten,“ meint er. Wir verabreden, dazu miteinander in Verbindung zu bleiben.


Das Gespräch mit Professor Pauli macht deutlich: Virtual Reality ist ein erstaunlich wirksames Instrument in der Psychotherapie, wenn:

  • Die Inhalte speziell für therapeutische Zwecke erstellt sind und die Simulation die typischen angstauslösenden Trigger wieder gibt

  • Virtual Reality einfach zu nutzen ist und Therapeut:innen als zusätzliches Werkzeug unterstützt

  • Die VR-Brille von ausgebildeten Therapeut:innen mit einem vorab festgelegten Ziel eingesetzt wird


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